AKADEMIE-Talk: Schluck- und Sprechstörungen bei MS
mit Referent Prof. Dr. Thomas Henze
Schluck- und Sprechstörungen sind häufige Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Schluckstörungen (Dysphagie) treten bei 30-40% der Betroffenen auf, insbesondere bei älteren Personen, längerer Krankheitsdauer und fortgeschrittener MS. Sprechstörungen (Dysarthrie, Dysphonie) betreffen etwa 44,9% der Patienten, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Diese Störungen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen, da sie zu Mangelernährung, sozialer Isolation und Kommunikationsproblemen führen können.
Der Schluckvorgang wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Hirnzentren gesteuert. Bei MS können Entzündungen im Gehirn diese Steuerung beeinträchtigen, was zu Schluckstörungen führt. Symptome umfassen häufiges Verschlucken, Husten, vermehrten Speichelfluss und erschwerte Nahrungsaufnahme. Diagnostiziert werden Schluckstörungen durch Untersuchungen wie Video-Endoskopie oder Röntgen-Videokinematographie. Therapien reichen von funktioneller Schlucktherapie über medikamentöse Behandlungen bis hin zu kompensatorischen Maßnahmen wie angepasster Ernährung und Kopfhaltung.

Sprechstörungen entstehen durch eine gestörte Koordination von Atmung, Stimme und Artikulation. Sie äußern sich durch undeutliches Sprechen, veränderte Stimmlautstärke oder -melodie und erschwerte Kommunikation. Die Diagnose erfolgt durch logopädische Untersuchungen und die Behandlung umfasst funktionelle Therapien, Medikamente und alternative Kommunikationsmittel.
Prof. Thomas Henze betont die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Schluck- und Sprechstörungen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. Außerdem möchte er MS-Betroffene für dieses doch oftmals noch unerkannte Symptom der MS sensibilisieren.
Redaktion: DMSG-AKADEMIE - 11.05.2026
