Prof. Paul gab uns in seinem Fachvortrag vom 27. April 2026 zunächst einen Überblick über die Grundlagen der Multiplen Sklerose als Autoimmunerkrankung, bei der Demyelinisierung und axonaler Verlust zu neurologischen Symptomen führen, wobei moderne Biomarker wie Neurofilament-Leichtketten (NfL) im Blut eine zunehmend wichtige Rolle in der Diagnostik und Verlaufsbeurteilung spielen. Im Mittelpunkt stand die Fatigue als häufigstes und belastendstes Symptom der MS, dessen Pathophysiologie komplex ist und neben zentralen und peripheren Faktoren auch Schlafstörungen als wesentliche Einflussgröße umfasst. Studien zeigen, dass bis zu 96 % der Menschen mit MS mit ausgeprägter Fatigue gleichzeitig an einer polysomnographisch nachgewiesenen Schlafstörung leiden. Die häufigsten diagnostizierten Schlafstörungen bei MS sind die obstruktive Schlafapnoe (OSA), das Restless-Legs-Syndrom (RLS) bzw. periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMD) sowie Insomnien – mit einer RLS-Prävalenz von rund 28 % bei Menschen mit MS im Vergleich zu 8 % in der Allgemeinbevölkerung. Ein zentrales Ergebnis des Vortrags war, dass die gezielte Behandlung von Schlafstörungen – etwa mittels CPAP-Therapie bei OSA oder Dopaminagonisten bei RLS – die Fatigue bei MS signifikant verbessern kann. Zur Diagnostik empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen, bei dem der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) als Screening-Instrument eingesetzt wird; bei einem PSQI-Wert > 5 oder einem MFIS-Wert > 34 sollte eine weiterführende schlafmedizinische Abklärung erfolgen. Darüber hinaus wurde auf den Zusammenhang zwischen Schlafqualität und kognitiver Leistungsfähigkeit bei MS hingewiesen, der durch eine aktuelle Metaanalyse unterstützt wird. Abschließend wurden neue Forschungsansätze vorgestellt, darunter die Rolle zirkadianer Rhythmik, neuroimmunologische Wechselwirkungen zwischen Schlaf und Immunsystem sowie technologische Entwicklungen zur häuslichen Schlafdiagnostik.
Wir bedanken uns recht herzlich bei Prof. Paul für seinen interessanten Vortrag und die Bereitschaft die vielen Fragen aus dem Plenum zu beantworten.
Redaktion: DMSG-AKADEMIE - 08.05.2026
