Prof. Dr. Iris-Katharina Penner ist kognitive Neurowissenschaftlerin und Neuropsychologin mit mehr als 20-jähriger Erfahrung in neurokognitiver und patientenzentrierter klinischer Forschung und klinischer Versorgung und einem starken Fokus auf der Entwicklung von neuen methodologischen Verfahren zur Diagnostik und Therapie von neurodegenerativen und entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
Zu ihrem Vortrag am 13.04.26 zum Thema „Kognitive Störungen bei MS: Von der Diagnose zur Therapie» gab es mehr als 300 Anmeldungen. Dies verdeutlichte schon vorab das große Interesse an dem Thema, verbunden mit einem hohen Leidensdruck der Betroffenen.
Während in der ärztlichen Untersuchung oft die körperliche Beeinträchtigung gemessen wird, leiden Menschen mit MS nicht weniger unter Fatigue, Depressionen und kognitiven Einschränkungen. Diese werden von Patienten häufig als belastender empfunden als die reine körperliche Einschränkung. So kann der Eindruck entstehen, dass der behandelnde Neurologe mit dem Krankheitsverlauf zufrieden ist, der Patient aber massiv unter einer Beeinträchtigung der Lebensqualität leidet.
Der wichtigste Ansatz, um kognitive Störungen wirksam behandeln zu können ist, diese qualifiziert zu erfassen und regelmäßig zu testen. Die Testung kann beim Neurologen, in der Reha oder bei niedergelassenen Neuropsychologen erfolgen.
Es gibt verschiedene Arten von kognitiven Störungen, die im Verlaufe einer MS-Erkrankung auftreten können. Es kann zu Störungen der Aufmerksamkeit, des Kurzzeitgedächtnisses oder der mentalen Flexibilität („Multitasking“) kommen. Als wichtigster Faktor, der auch maßgeblich die Berufstätigkeit beeinflussen kann, wurde die kognitive Verlangsamung genannt.
Es existieren verschiedene Ansätze, um kognitive Störungen zu lindern. In Studien wurden positive Effekte durch die verlaufsmodifizierenden Therapien nachgewiesen. Kognitive Rehabilitation und gezieltes computerbasiertes Training zielen auf die Stärkung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktionen ab.
Ein wichtiges Fundament im Umgang mit kognitiven Störungen ist der Lebensstil. Ein aktiver Lebensstil mit lebenslanger geistiger und körperlicher Aktivität (z. B. Sprachen lernen, Musizieren, Ausdauersport) kann als Schutzfaktor gegen kognitiven Abbau wirken. Studien zeigen, dass eine hohe kognitive Reserve die Resilienz gegenüber neurodegenerativen Prozessen erhöht und die Progression von Behinderung verzögern kann.
Darüber hinaus können durch Achtsamkeitsbasierte Therapien wie MBSR oder die Akzeptanz-Comitment-Therapie („ACT“) gute Verbesserungen erzielt werden. Eine Studie belegt, dass Neuroedukation kombiniert mit Meditation nicht nur die Selbstwahrnehmung kognitiver Defizite verbessert, sondern auch Stress reduziert, die Selbstwirksamkeit stärkt und sogar die kognitive Fatigue verringert.
Wir danken Frau Prof. Penner herzlich für ihren herausragenden Vortrag, der auf beeindruckende Weise wissenschaftliche Evidenz und Theorie mit der gelebten Praxis verknüpfte. Mit großer Geduld und Wertschätzung widmete sie sich darüber hinaus den zahlreichen Fragen aus dem Plenum.
Redaktion: DMSG-AKADEMIE - 14.05.2026
